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Verein der Freunde und Förderer des Unitätsarchivs e.V.


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24. November 2015, 19.30 Uhr
Susanne Kokel, Siegen:

Unternehmen der Herrnhuter Brüdergemeine - Eine Spurensuche

Zum Inhalt:

Abraham Dürninger ist sicherlich der bekannteste Vertreter eines erfolgreichen Herrnhuter Unternehmers und christlichen Kaufmanns. Aber auch im 19. und 20. Jahrhundert hatte die Brüdergemeine eine Vielzahl von Unternehmen, deren Gewinne die kirchlichen Aufgaben finanzierten. Dabei handelte es sich um zum Teil sehr bedeutende Industrie-, Handels- und Dienstleistungsunternehmen, von denen der Großteil in Niederschlesien lag. Die Geschichte dieser Unternehmen und ihrer zentralen Verwaltung durch die Finanzdirektion bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges ist Inhalt eines Forschungsprojektes an der Philipps-Universität Marburg, das die Referentin Susanne Kokel vorstellt. Sie gibt einen Überblick über die einzelnen Firmen und berichtet von ihren Reisen in die Niederlande und nach Polen, auf den Spuren Herrnhuter Unternehmertums.




10. Februar 2015, 19.30 Uhr
Trudla Malinkova, Bautzen:

Marie Lobach (1798-1853) - eine wendische Missionarin in Suriname


03. Februar 2015, 19.30 Uhr
Jan Hüsgen, Herzebrock-Clarholz:

Die Mission der Brüdergemeine
und die Sklavenrebellion auf St. Croix 1848




26.-29. Juni 2014
Wissenschaftliche Tagung zum Archivjubiläum im TEH Herrnhut und Eröffnung einer Jubiläumsausstellung im Völkerkundemuseum Herrnhut

"... so müssen wir denn ein Archiv der Wahrheit haben"
250 Jahre Unitätsarchiv


Samstag, 28. Juni 2014

9.00 Uhr Tagungsort: Lesesaal des Unitätsarchivs

1. Ulrike Harnisch, Halle (Saale)
Der Bestand an Streichquartetten in der Herrnhuter Musikaliensammlung

2. Elisabeth Schneider-Böcklen, München
Die Begehung der Marterwoche 1759 in der Mädchenanstalt zu Herrnhut als „Gesamtkunstwerk“

3. Andreas Waczkat, Universität Göttingen
„Bricolage“ in der Kantatenpraxis der Brüdergemeine n zwischen 1760 und 1850

4. Valentina Spune, Riga (Lettland)
Ikonographie des theologischen Modells der Herrnhuter Brüdergemeine

13.30 Uhr Tagungsort: Konferenzraum des TEH

1. Hermann Ehmer, Stuttgart
Die Berichte der Herrnhuter Diasporaarbeiter als landeskirchengeschichtliche Quelle – Dargestellt am württembergischen Beispiel

2. Heidi Gembicki-Achtnich, Le Lignon (Schweiz)
Erich von Ranzaus Darstellung der Diaspora-Arbeit in Frankreich

3. Ilka Sommer, Weilersbach
Briefe aus Paris - Einblicke in die Lebensgeschichte des Herrnhuters Dr. G.H.G. Jahr (1801-1875)

Kaffeepause

4. Derrick R. Miller, University of North Carolina Wilmington (USA)
Ghosts and Imaginative Bridges in the Archive

5. Jobst Reller, Hermannsburg
Sven Hedin und die Herrnhuter Losungen

20.00 Uhr
Paul Peucker, Moravian Archives Bethlehem (USA)
Das Moravian Archives in Bethlehem (PA) als Quelle für die Herrnhuter Forschung



Freitag, 27. Juni 2014
Tagungsort: Konferenzraum des TEH

09.00 Uhr
1. Corinna Erckenbrecht, Görlitz
Missionarsbriefe und –fotos als ethnologische Quelle – Am Beispiel North-Queensland (Australien)

2. Thea Olsthoorn, Nijmegen (Niederlande)
Die Bedeutung der Quellen aus dem Unitätsarchiv für die Ethnographie – Die „Taufe“ der Seehunde. Ein Beispiel aus Labrador

3. Hans Rollmann, Memorial University of Newfoundland, St. John’s (Kanada)
Inuit in England and the Beginnings of the Labrador Mission: The Youth Karpik in London and Fulneck

4. Jan Matoušek, Prag (Tschechische Republik)
„Ihr habt Sein Wort gehört, vergebt Euch und bringt Euch Frieden. Wenn aber Angekok wieder Böse tuen wird, dann komme ich nochmal zurück“.
Jens Haven und seine Rekognoszierungsreise in Labrador 1773. Missionstätigkeit, Handel und Reiseabenteuer.

12.45 Uhr
Michael Schulze, Herrnhut
Missionsatlanten und Karten im Unitätsarchiv – Neue Wege der digitalen Nutzung

14.00 Uhr
Eröffnung der Jubiläumsausstellung im Völkerkundemuseum
(Eröffnungsveranstaltung im TEH, danach gemeinsamer Gang zum Museum)

17.00 Uhr
1. Kai Dose, Bad Kreuznach
Das Aquarell „Spes adhuc in unitate” - Versuch einer Interpretation

2. Rudolf Grunert, Christiansfeld (Dänemark)
Die äthiopische Sache und Graf d`Esneval

19.30
1. Graham Jefcoate, Nijmegen (Niederlande) / Chiang Mai (Thailand)
Zinzendorf und der deutsche Buchhandel in London, 1749-1760

2. Joanna Kodzik, Universität Potsdam
Die Ansiedlungsversuche der Brüdergemeine in Polen



Donnerstag, 26. Juni 2014

Tagungsort: Konferenzraum des TEH

14.00 Uhr
Rüdiger Kröger, Unitätsarchiv Herrnhut

Eröffnung und Einführung

15.15 Uhr
1. Jiří Just, AdW, Prag (Tschechische Rep
ublik)
Bericht über das Projekt der Edition der Acta Unitatis Fratrum

2. Lubina Mahling, Spitzkunnersdorf

Von großzügigen Adligen und aufstrebenden Tagelöhnern. Neue Perspektiven auf die frühneuzeitliche Sozialgeschichte der Sorben anhand von Quellen aus dem Unitätsarchiv

3. Iveta Leitane, Riga (Lettland)

Der „jüdische Text“ der livländischen Brüdergemeine

4. Christer Ahlberger und Per von Wachenfeldt, Univ
ersität Göteborg (Schweden)
Vorstellung eines Projektes innerhalb des Forschungsnetzwerks Moravianism in Scandinavia:
Elias Östergrens innere und äußere Reise. Ein schwedischer Lebenslauf in einem neuen Licht

20.00 Uhr
1. Wolfgang Gabbert, Universität Hannover

„Das Alte ist vergangen!“ – Herrnhuter Missionare und die Miskito, 1847-81

2. Jan Borm, Université de Versailles Saint-Quentin
-en-Yvelines (Frankreich)
Die Herrnhuter Grönlandmission in Charles Ede's Abenteuerroman „Warm Hearts in Cold Regions: A Tale of Arctic Life” (1862)



29. Januar 2013
Dr. Rüdiger Kröger, Herrnhut

Peter Treschow Hanson, Carl Spielwerg, Georg Alexander Henningsen, Samuel Mygind - ein angel-dänischer Freundeskreis um 1800


15. Januar 2013, 19.30 Uhr
Helmfried Klottke, Bautzen:

Kleinwelka im Kriegsjahr 1813 und in der Schlacht bei Bautzen



16. Oktober 2012, 19.30 Uhr
Prof. Dr. Hans Rollmann, St. John's (Neufundland):

Mährische Brüder in der frühen Labradormission

Zum Inhalt:
Am 19. Februar 1776 wurde Kingminguse, der erste Inuk in Nain, Labrador, von Johann Schneider getauft und erhielt den Taufnamen Petrus. Der Tauftag Kingminguse's wird heute noch als ein lokaler Feiertag in Nain gefeiert. Durch die Taufe dieses Erstlings wurde eine direkte geistliche Verbindung zwischen Labrador und der alten Brüderkirche Mährens geschaffen. Johann und Elisabeth (Ertel) Schneider waren Mähren aus Zauchenthal (Suchdol) und Botenwald (Butovice), die früher in Amerika und Grönland gewirkt hatten. In Labrador dienten sie in allen drei Herrnhuter Siedlungen des achtzehnten Jahrhunderts: Nain, Okak und Hoffenthal (Hopedale). Ihre Gräber bestehen heute noch auf dem frühesten Gottesacker der Gemeine in Hopedale. Der illustrierte Vortrag wird den Beitrag der Mähren in der frühen Labradormission behandeln und besonders das Wirken von Johann und Elisabeth Schneider darzustellen versuchen.


09. Oktober 2012
Henrik Wilhjelm, Ebeltoft (Dänemark)

Samuel Kleinschmidt und Grönland


12. Juni 2012, 19.30 Uhr
Dr. Rüdiger Kröger, Herrnhut:

Vom Künstler zum Missionar
Lebensbild des Christian Ludwig Krügelstein (1736-1779)


Zum Inhalt:
Christian Ludwig Krügelstein war der Sohn eines Arztes und einer mährischen Exulantin. Sein bewegtes Leben schien zunächst den typischen Verlauf von Mitarbeiterkindern der Brüdergemeine zu nehmen: Erziehung in den Kinderanstalten, Besuch des Pädagogiums, erste Beschäftigung als Lehrer. Doch schon seine Malerausbildung im Pädagogium war eine große Ausnahme. Fünf Jahre verbrachte er später bei dem Hofmaler und Diasporabruder J.G. Ziesenis in Hannover als dessen Schüler und Gehilfe z.T. an verschiedenen königlichen und fürstlichen Höfen. Von seinen Werken sind, obwohl Vieles als verloren angesehen werden muss, noch etliche nachweisbar. Im Laufe seines Lebens hatte sich in der Brüdergemeine die Einstellung zur Kunst gewandelt und Krügelstein wurde in den Missionsdienst nach Westindien berufen.


15. November 2011, 19.30 Uhr

Lubina Mahling, Spitzkunnersdorf:
Friedrich Caspar von Gersdorf, Herrnhut und die Sorben

Zum Inhalt
»… und haben wir uns allezeit gefreut, wenn wir die Begierde, die in Ihnen gewesen, das

Guthe in Ihrem Theil zu befördern, sonderlich bey dero wendischen Unterthanen«
(Erdmuth Dorothea von Zinzendorf an Friedrich Caspar von Gersdorf, 29.5.1738)
Oberamtshauptmann Friedrich Caspar von Gersdorf – ein Vetter Zinzendorfs – spielte als Ratgeber und Fürsprecher Herrnhuts in den Anfangsjahren der jungen Gemeine eine wichtige Rolle. Zugleich setzte sich Friedrich Caspar von Gersdorf für seine sorbischen Untertanen ein. Er errichtete in Klix ein sorbisches Prediger- und Lehrerseminar. Dieses wurde später nach Uhyst an der Spree verlegt und um die erste sorbische Mädchenschule erweitert. Außerdem förderte von Gersdorf den Druck zahlreicher Bücher in sorbischer Sprache und trug durch seine Unterstützung der Laienarbeiter maßgeblich zur Verbreitung von brüderischen Ideen unter den Sorben bei.
Durch die Erschließung von neuem Quellenmaterial kann nun ein umfassenderes und differenzierteres Bild der ersten Jahrzehnte herrnhutischen Wirkens unter den Sorben gezeichnet werden.


12. April 2011, 19:30 Uhr, Lesesaal / Unitätsarchiv
Olaf Nippe, Herrnhut
"Wir gehn getrost an deiner Hand" - Ein Gang durch die Tagebuchsammlung des Unitätsarchivs zum Abschluss der Ausstellung

Zum Inhalt
Beim Archivtag im März wurde in zwei Vitrinen eine kleine Auswahl von Tagebüchern aus der Sammlung des Archivs präsentiert. Bevor die wertvollen Stücke wieder an ihren Ort im Magazin zurückkehren, sollen sie noch einmal ausführlich erläutert, auf ihre Schreiber und ihr ganz besonderes Profil eingegangen werden.
 

29. März 2011, 19:30 Uhr, Lesesaal / Unitätsarchiv

Prof. Dr. Julia Männchen, Kustodin des Gustaf-Dalman-Instituts, Greifswald
”Zwischen Niesky und Herrnhut -
Leben und Werk des Palästinaforschers Gustaf Dalman (1855-1941)"


Zum Inhalt
Frau Prof. Männchen hat 1984 ihre Dissertation mit dem Titel "Gustaf Dalmans Leben und Wirken in der Brüdergemeine, für die Judenmission und an der Universität Leipzig 1855-1902" vorgelegt, wozu sie umfangreiche Forschungen im Unitätsarchiv durchgeführt hat. Das Thema ihrer Habilitation von 1991 schloss sich dann zeitlich an: "Gustaf Dalman als Palästinawissenschaftler in Jerusalem und Greifswald 1902-1941".
Damit ist die Person Dalmans und sein Werk umrissen: er wurde 1855 in Niesky geboren, durchlief dort die schulische Ausbildung der Brüdergemeine und studierte anschließend am Theologischen Seminar der Brüdergemeine in Gnadenfeld / O.S., zu dessen Dozentenschaft er dann auch gehörte. 1887 wechselte er an das Institutum Judaicum von Franz Delitzsch in Leipzig, an dem vor allem Judenmissionare ausgebildet wurden. Ab 1891 unterrichtete er dann auch als Privatdozent an der Theologischen Fakultät in Leipzig. 1902 schlossen sich die Jahre in Jerusalem an - Dalman wirkte dort als erster Direktor des bis heute bestehenden "Deutschen evangelischen Instituts für Altertumswissenschaft des Heiligen Landes". 1917 wurde er als Professor an die Universität Greifswald berufen. Nach dem Tode seiner Frau im Jahre 1940 übersiedelte er zu seiner Nichte Helene Marx nach Herrnhut, starb dort im August 1941 und wurde auf dem Herrnhuter Gottesacker begraben.
Dalman gilt als einer der größten Palästinaforscher und hat ein umfangreiches schriftlichen Werk hinterlassen. Als Höhepunkt und Zusammenfassung seiner Arbeit im Heiligen Land kann man den siebenbändigen Kosmos "Sitte und Arbeit in Palästina" ansehen, aber auch kleinere Abhandlungen sind erwähnenswert, so der kommentierte Bildband mit Flieger- aufnahmen Palästinas oder das Büchlein über das Heilige Grab in Görlitz aus archäolo- gischer und kunstgeschichtlicher Perspektive.

Gustav-Dalman-Institut


15. Februar 2011, 19:30 Uhr, Lesesaal / Unitätsarchiv
Dr. Andreas Büttner, Kunsthistoriker in Braunschweig spricht über:
”Abraham Roentgen (1711-1793) - Leben und Werk"
Vortrag aus Anlass seines 300. Geburtstages

18. Januar 2011, 19:30 Uhr, Lesesaal / Unitätsarchiv
Dr. Gerd-Helge Vogel, Kunsthistoriker in Zürich und Berlin spricht über:
"Gustav Grunewald (1805-1878)", Fortsetzung des Vortrages vom September 2008 mit vielen neuen Entdeckungen


2. November 2010, 19:30 Uhr, Lesesaal / Unitätsarchiv
Helmfried Klottke, Bautzen, spricht über:
"Friedrich Gruhl und die Kleinwelkaer Glockengießerei in der Brüdergemeine"


11. Mai 2010, 19:30 Uhr, Lesesaal / Unitätsarchiv
Dr. Felicity Jensz, Historikerin, Australien, jetzt Münster spricht über:
„Die Brüdergemeine in Süd-Osten Australiens, 1848-1908“

Zum Inhalt
Diese Arbeit besteht heute nicht mehr. Frau Jensz ist nicht weit von der Gegend, in der die Brüdergemeine gearbeitet hat, zu Hause.
60 Jahre waren Missionare der Brüdergemeine unter den Ureinwohnern im Süd-Osten Australiens tätig. Als Australien noch als Britische Kolonie bestand, gründeten sie drei Missionsstationen: Lake Boga (1849-1856), Ebenezer (1859-1904) und Ramahyuck (1862-1908), deren Geschichte aus Briefen dargestellt wird. Ein Schwerpunkt dieses Vortrags wird das Leben Friedrich August Hagenauers (1829-1909), einem sehr einflussreichen Missionar in Australien, sein. Hagenauer war nicht nur von Seiten vieler Naturwissenschaftler geachtet, sonder hat sich auch in die Politik der Kolonie eingemischt. Er war Sekretär des „Board for the Protection of the Aborigines“, die Behörde, die über die Ureinwohner der Kolonie Victoria Kontrolle ausübte. Unter Hagenauers Einfluss wurde 1886 ein rassistisches Gesetz eingeführt, das die Wirkung hatte, dass die sogenannten „Mischlinge“ - Menschen, die eingeborene und auch europäische Ahnen hatten - nicht mehr an den Missionsstationen wohnen durften. Dieses Gesetz führte zur Schließung vieler Missionsstationen, weil sie nun zu wenig Bewohner hatten.

Zur Person
Dr. Felicity Jensz ist geborene Australierin und arbeitet zur Zeit als Post-Doktorandin am Exzellenzcluster „Religion und Politik“ an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Ihre Doktorarbeit schrieb sie über die Brüdergemeine in Australien. Ihr jetziges Forschungsprojekt folgt der Geschichte und Lehrtätigkeit des Missionspaars Hartmann, das im 19. Jahrhundert sowohl in Australien als auch in Kanada für die Brüdergemeine missionarisch tätig war.


16. Februar 2010, 19:30 Uhr, Lesesaal / Unitätsarchiv
Prof. Dr. Jürgen Lafrenz, Universität Hamburg spricht über:
„Herrnhuter als Kolonisten in den britischen Kolonien der amerikanischen Ostküste“

Zum Inhalt
Auf dieses Thema ist er bei seiner Arbeit für den Herrnhuter Städteatlas gestoßen. Der Missionseifer der Brüdergemeine und das britische Kolonisierungsinteresse brachten ab 1735 die Herrhuter in die heranwachsenden Kolonien am nordwestlichen Atlantik. Es war den britischen Behörden willkommen, dort Protestanten verschiedener Provenienz quasi als „Puffer“ gegen die Spanier und die Franzosen anzusetzen. Es kam nach wenig erfolgreichen Bemühungen durch die Herrnhuter in Georgia zum Aufbau und Ausbau zahlreicher Orts- und Landgemeinen, in Pennsylvania und in North Carolina sogar zweier in sich differenzierter Siedlungsnetze.
Der Vortrag wird sich mit den mittelbaren Anstößen der Kolonisation durch die Herrnhuter, insbesondere den Zielsetzungen von Zinzendorf und Spangenberg und deren konkrete Einflussnahme auf die ersten Siedlungen befassen. Es werden weiter die Prozesse der  Siedlungsnahme sowie die wirtschaftlichen Wachstumskräfte in das Blickfeld gerückt. Das besondere Augenmerk gilt dem gestalterischen Habitus sowie der funktionalen Differenzierung der jeweiligen Siedlungen, wobei auch der Frage nachgegangen wird, inwiefern schon zuvor in Europa gewordene Siedlungen, wie Herrnhut oder Herrnhaag, als Vorbilder dienten.


4. November 2008, 19:30 Uhr, Lesesaal / Unitätsarchiv
Der Historiker Thomas Ruhland aus Potsdam spricht über:
"Die sogenannte Nikobaren-Mission der Herrnhuter und ihr Verhältnis zu den Hallischen Missionaren"


im Herbst 2008, 19:30 Uhr, Lesesaal / Unitätsarchiv
Pfarrer Dr. Thilo Daniel aus Dresden spricht über:
"Zinzendorf in Dresden"


12. Februar 2008, 19:30 Uhr, Lesesaal / Unitätsarchiv
Achivarin und Theologin Claudia Mai aus Jonsdorf spricht über:
"Carl August Baumeister (1741-1818) - Leben, Werk und Bedeutung für die Brüdergemeine an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert"


6. November 2007, 19:30 Uhr, Lesesaal / Unitätsarchiv
Dr. Stefan Michel aus Weida spricht über ein:
"Relikt einer unmittelbaren Frömmigkeit – Das Ebersdorfer Gesangbuch von 1742/45"

Zum Inhalt
In den „Bekenntnisse einer schönen Seele“ in Johann Wolfgang von Goethes Bildungsroman „Wilhelm Meisters Lehrjahre“ greift die Erzählerin auf ihrer Suche nach tieferer religiöser Erfahrung zum Ebersdorfer Gesangbuch und findet darin Lieder, „die, freilich unter sehr seltsamen Formen, auf dasjenige zu deuten schienen, was ich fühlte; die Originalität und Naivität der Ausdrücke zog mich an. Eigene Empfindungen schienen auf eigene Weise ausgedrückt; keine Schulterminologie erinnerte an etwas Steifes oder Gemeines.“
Was war das für ein besonders Gesangbuch? In welcher Atmosphäre ist es entstanden? In der ersten Auflage erschien das Ebersdorfer Gesangbuch 1742 als eine eigenständige Publikation der Ebersdorfer Gemeine, die sich als selbständig gegenüber Herrnhut ansah. Es enthielt zahlreiche Lieder, die in Ebersdorf entstanden waren. In diesem Buch vereinten sich verschiedene frömmigkeitliche Strömungen, was typisch für Ebersdorf in dieser Zeit war. Eine zweite Auflage erschien 1745, da die Nachfrage speziell nach diesem Gesangbuch auch außerhalb von Ebersdorf sehr groß war.
Doch schon durch die Zugaben, die in den Jahren 1744 (zweite Zugabe) und 1746 (dritte Zugabe) erschienen, machen den Wandel in der Gemeinde und ihrer Frömmigkeit sichtbar. Es kamen neue liturgische Formen und eine neue Sprache auf, die Ausdruck der dynamischen Frömmigkeit und Theologie der Sichtungszeit waren. Daran wird die Auflösung und Umformung der alten Ebersdorfer Frömmigkeit deutlich, so dass schließlich das Ebersdorfer Gesangbuch überflüssig wurde. Beigetragen haben zu diesem Prozess der Auflösung der Ebersdorfer Frömmigkeit das Anwachsen der Gemeine sowie das Ausscheiden integrierender Personen, wie Heinrich XXIX. (1699-1747) oder Friedrich Christoph Steinhofer (1706-1761). Am Ende dieses Prozesses standen sich zwei Gemeinden gegenüber, die Brüdergemeine und die „landeskirchliche“ Orts- bzw. Schlossgemeinde.
Mit der Auflösung und Umformung der Frömmigkeit ging auch ein Identitätswandel einher. Man fühlt sich nicht mehr als besondere Ebersdorfer Gemeine, sondern wird Teil der Brüdergemeine, deren Gesangbuch schließlich von der Gemeine übernommen wurde.
Bemerkenswert am Ebersdorfer Gesangbuch ist die Möglichkeit für eine Gemeinschaft, sich ihr eigenes Gesangbuch zu schaffen, das nur der Befriedigung ihrer Bedürfnisse diente. Dies zeigen die zahlreichen Ebersdorfer Lieder, die sich sonst in keinem anderen Gesangbuch finden.

Zur Person
Stefan Michel, Jahrgang 1975, wurde 2006 mit einer Arbeit über „Gesangbuchfrömmigkeit und regionale Identität“ an der Augustana Hochschule in Neuendettelsau promoviert. Er ist zur Zeit Vikar der Evangelisch-lutherischen Kirche in Thüringen.


25. September 2007, 19:30 Uhr, Lesesaal / Unitätsarchiv
Dr. Otto Teigeler aus Düsseldorf spricht über:
"Zinzendorf und Russland"

Zum Inhalt
Dieses Referat ist in gewisser Weise eine Fortführung des Referates von Arthur Manukyan, das dieser im November des vorigen Jahres im Unitätsarchiv gehalten hat („Zinzendorf und die orthodoxen Kirchen im Orient“).
Diesmal geht es also um Russland. Dabei soll zunächst geklärt werden, welches Vorwissen Zinzendorf über Russland überhaupt hatte und wer ihm dieses Wissen vermittelt hat. Dabei spielt bereits sein Schulbesuch in Halle eine gewisse Rolle, aber vor allem natürlich die von Zinzendorf initiierten Reisen David Nitschmanns (Syndikus) und Arved Gradins nach St. Petersburg. Sodann soll versucht werden zu klären, wie Zinzendorf diese Kenntnisse in sein theologisches, d.h. in sein missionsstrategisches und philadelphisches Konzept einbaute und welche Konsequenzen er daraus zog.
Alle Sarepta-Fans seien also gewarnt: Es geht nicht in erster Linie um Sarepta, sondern sozusagen um die theologische Vorgeschichte dieser Siedlung an der Unteren Wolga, die aber ihrerseits schon spannend genug ist!

Zur Person
Otto Teigeler ist in Unitätskreisen durch die Herausgabe von Christlieb Suters „Geschichte der Gemeine Sarepta 1765-1775“ bekannt geworden (Beiheft der UF Nr. 8, 1. Aufl. 2003, 2. Aufl. 2006) und hat an der Theologischen Fakultät in Münster über „Die Herrnhuter in Russland“ promoviert (erschienen bei Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2006).
Otto Teigeler wurde 1936 in Rheydt am Niederrhein geboren, studierte in Bonn, Heidelberg und Mainz, später in Münster, Evangelische Theologie sowie in Köln Slawistik. Als Pfarrer der Rheinischen Landeskirche war er in Essen und Leverkusen tätig sowie am Pädagogisch-Theologischen Institut in Bonn-Bad Godesberg. Seit seinem Ruhestand lebt er in Düsseldorf.


15. Mai 2007, 19:30 Uhr, Lesesaal / Unitätsarchiv
Thea Olsthoorn, Nijmegen/NL spricht über die:
"Kommunikation mit Menschen einer nicht-schriftlichen Kultur: Die Rekognoszierungsreisen der Herrnhuter Labrador-Mission 1752-1770"

Zum Inhalt
Im Jahre 1733 gründeten die Herrnhuter Brüder Matthäus Stach, Christian David und Christian Stach ihre erste Missionsstation (‚Neuherrnhut’) in Grönland. Hier in Grönland wurde auch der Plan für eine Mission in Labrador geboren. Die geringe Zahl der grönländischen Inuit legte die Vermutung nahe, dass sich auf dem amerikanischen Festland Landsleute dieser Grönländer aufhalten müssten, die sich noch im Heidentum befänden. Das Anliegen der Brüder war, auch den Inuit in Labrador das Evangelium zu verkündigen, damit diese ebenfalls den Heiland kennen lernen könnten. Sowohl in ihren Briefen als bei ihren Besuchen in der Heimat setzten sich die Brüder für die Verwirklichung dieses Vorhabens ein.
1752 wurde erstmals eine Rekognoszierungsreise nach Labrador unternommen. Während dieser Reise war Johannes Christian Erhardt als Vize-Kapitän und Kaufmann für den Handel mit den Labrador-Inuit verantwortlich. Da er der Inuit-Sprache kaum mächtig war, konnte er mit den Einheimischen nur dürftig kommunizieren. Aller Wahrscheinlichkeit nach hat dieser Umstand den Tod Erhardts und seiner Begleiter herbeigeführt.
Die Nachricht von Erhardts Ermordung durch die Inuit rief in Herrnhut und in den übrigen Brüdergemeinen große Erregung hervor, so dass das Unitätsdirektorium vorläufig auf weitere Untersuchungsreisen nach Labrador verzichtete.
Der erste Herrnhuter Bruder, der diesen Plan wieder aufgreift, ist Jens Haven im Jahre 1764. Dank seiner gründlichen Kenntnisse der Inuit-Sprache und seiner außergewöhnlichen kommunikativen Fähigkeiten weiß er den Kontakt zu den Inuit geschickt herzustellen und die Begegnungen dermaßen aussichtsreich zu gestalten, dass 1765 und 1770 weitere Erkungungsreisen nach Labrador folgen. Sie münden in die Errichtung der ersten Station ‚Nain’ (1771).
Anhand der Tagebücher, in denen die Brüder ihre Eindrücke und Erlebnisse festgehalten haben, lässt sich der Hergang der Ereignisse während der Erkundungsreisen rekonstruieren. Die Reise 1765 ist infolge der starken Bevormundung durch die Engländer – ab 1763 steht Labrador unter englischer Botmäßigkeit – mit beträchtlichen Schwierigkeiten verbunden. Im Rahmen der Rekognoszierungsreisen nach Labrador sind zwei Herrnhuter Brüder dänischer Herkunft von vorrangiger Bedeutung. Es sind der oben erwähnte Jens Haven und der alte Christian Larsen Drachardt, die sich aufgrund ihrer unterschiedlichen Rollen und Aufgabenbereiche gegenseitig hervorragend ergänzen.
Da ihre Bemühungen für den Erfolg der Unternehmung ausschlaggebend waren, wollen wir das Wirken dieser beiden herrnhutischen Missionare während der Erkundungsreisen 1765 und 1770 einer näheren Betrachtung unterwerfen.

Zur Person
Thea Olsthoorn wurde 1952 geboren, studierte in Nijmegen (NL) Germanistik und Allgemeine Sprachwissenschaft. Sie promoviert an der TU-Dresden (Fakultaet Erziehungswissenschaften). Der Titel ihres Vortrags ist der Titel ihrer Dissertation.


6. Februar 2007, 19:30 Uhr, Lesesaal / Unitätsarchiv
Hedwig Richter aus Berlin spricht über:
"Abenteuerliche Wege - Die Herrnhuter Brüdergemeine in der SBZ und DDR und die Beziehungen zur Moravian Church in den USA von 1945 bis 1977"

Zum Inhalt
Nach 1945 wurden die Beziehungen zwischen den Herrnhutern in Deutschland und den USA so eng wie schon seit Jahrzehnten nicht mehr. Warum war beiden Seiten diese Verbindung so wichtig? Und wie gelang ihnen der intensive Austausch? Vor allem: Wie gelang das über den Eisernen Vorhang hinweg? Wer die Aktenberge in den US-Archiven der Moravian Church durchschaut, staunt nicht schlecht: Ganze Kisten und Ordner voller Briefe und Unterlagen, die ein enges Verhältnis der US-Herrnhuter zu den Geschwistern in der SBZ und der DDR dokumentieren. Die Akten der Gemeinen in der ehemaligen DDR hingegen wissen wenig davon. Das ist nicht erstaunlich. Die großen Spenden aus dem „Land des Klassenfeindes“ für Deutschland – viele Jahre auch für den Westen – waren von dem sozialistischen Regime meistens nicht gern gesehen. Bischof Johannes Vogt und die anderen leitenden Verantwortlichen fanden bei Bedarf abenteuerliche Umwege, um die Herkunft der Gelder, der Kleider, der Nahrungsmittel etc. zu verschleiern. Was heute kaum noch jemand weiß: Der Herrnhuter Kirchensaal, das Förderungsheim oder der Saal in Neukölln konnten nur mit großzügiger Hilfe aus den USA gebaut werden.
Voller Ideenreichtum sorgten die Verantwortlichen in Ost-Deutschland und den USA auch für einen intensiven Informationsaustausch. So war nicht nur der Transfer von materiellen Gütern möglich, sondern beide Seiten halfen sich auch im Gebet, weil sie die Probleme der anderen gut kannten.
Konventionelle Mittel wie Briefe oder Reisen waren keineswegs das einzige Mittel, um die Zusammengehörigkeit über den Eisernen Vorhang hinweg zu festigen. Auch die Tradition spielte dabei eine wichtige Rolle. Brüderische Eigenarten – wie die Gebetswacht oder die missionarische Arbeit – wurden zu einem wichtigen Band. Besonders interessant ist dabei die Rückbesinnung auf Tradition nach 1945, oft geradezu eine „Erfindung von Tradition“, um sich seiner selbst und seiner internationalen Identität bewusst zu werden.

Zur Person
Hedwig Richter, Jahrgang 1973: Nach einem Sozialen Jahr in Israel studierte sie Geschichte, Germanistik und Philosophie in Heidelberg, Belfast und Berlin. In Berlin absolvierte sie das erste und zweite Staatsexamen. Als freie Journalistin schrieb sie für die taz, die Frankfurter Rundschau und die Freie Presse (Chemnitz). Sie promoviert über Lebenswelt und transnationale Verbindungen der Herrnhuter Brüdergemeine in der SBZ und DDR, gefördert mit Stipendien der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und des Deutschen Historischen Instituts in Washington.


7. November 2006, 19:30 Uhr, Lesesaal / Unitätsarchiv
Arthur Manukyan aus Göttingen spricht über die:
"Brüderboten im Orient - Herrnhuter Begegnungen mit Orthodoxen Kirchen im 18. Jahrhundert"

Zum Inhalt
Der Emissario des Grafen Zinzendorf und der erneuerten Brüdergemeine, der Schwede Arvid Gradin wurde im November des Jahres 1739 mit einer Botschaft an den Ökumenischen Patriarchen in Konstantinopel entsandt. Er traf am 24. März 1740 in Konstantinopel ein und führte in den folgenden Wochen und Monaten Verhandlungen mit der Griechischen Orthodoxen Kirche. Während dieser Verhandlungen erinnerte er die orthodoxen Griechen an ihre alte Freundschaft mit den Mähren und den Böhmischen Brüdern, führten diese doch ihre Abstammung auf die orientalische Christenheit zurück, und erzielte ein erstaunliches Ergebnis: Der Patriarch ließ ein Empfehlungsschreiben für die Brüder-Mission im Bereich der Orthodoxen Kirchen aushändigen. Es stellt ein theologisches und diplomatisches Meisterwerk dar, besonders im Angesicht der schwierigen Situation der Christen im Osmanischen Reich.
Eine Fortsetzung fand diese Begegnung etwa ein Jahrzehnt später. Im Jahre 1752 wurde der Herrnhuter Missionar Friedrich Wilhelm Hocker nach Kairo ausgesandt. Er lebte zwei Jahre in Kairo und lernte Arabisch, bevor er das Grußschreiben Zinzendorfs ins Arabische übersetzen und auf diese Weise in Kontakt mit dem Patriarchen der Koptischen Orthodoxen Kirche treten konnte. Mit diesem führte Hocker ebenfalls Gespräche über die Geschichte und die Lehre der beiden Kirchen. Bis zum Jahre 1782 baute die Brüdergemeine eine Missionsstation in Kairo auf, darin sich im Laufe der Zeit mehrere Herrnhuter Brüder aufhielten und freundschaftliche Kontakte zu den koptischen Christen pflegten. Ihre seelsorgerische Arbeit war sehr geschätzt. Auch in Kairo erhielt die Brüdergemeine Empfehlungsschreiben vom Patriarchen.
Sowohl die Begegnung in Konstantinopel als auch die in Kairo stellen für die Geschichte der protestantisch-orthodoxen Ökumene über das 18. Jahrhundert hinaus eine der interessantesten und wertvollsten Begebenheiten dar. Denn sie sind nicht allein vom ökumenischen Weitblick des Grafen Zinzendorf getragen worden, sondern fanden auch bei der Gegenseite Partner und Befürworter. Die Griechische und Koptische Orthodoxe Kirche stehen dabei beispielhaft für die beiden Zweige des Orthodoxen Christentums, des Orientalischen (Kopten, Armenier, Äthiopier u. a.) und des Byzantischen (Griechen, Russen u.a.). Um die Gesandten der Brüdergemeine, um einzelne Briefe des Grafen Zinzendorf und der Patriarchen, zugleich um Orthodoxe Kirchen im Orient wird es in dem Vortrag gehen.

Zur Person
Arthur Manukyan ist 1975 in Jerewan / Armenien geboren und ist Mitglied in der Armenisch Orthodoxen Kirche. Er hat in Jerewan Germanistik und in Deutschland Germanistik und Theologie studiert. Gegenwärtig schreibt er seine Dissertationsarbeit an der Theologischen Fakultät in Göttingen. Auch er benutzt das Unitätsarchiv als Fundgrube.


12. September 2006, 19:30 Uhr, Lesesaal / Unitätsarchiv
Robert Langer aus Ohorn spricht über:
"Nikol von Gersdorf - Landvogt der Oberlausitz und Großvater des Grafen Nikolaus Ludwig von Zinzendorf"

Zum Inhalt
Robert Langer arbeitet über den Pietismus in der Lausitz und speziell über Henriette Katharina von Gersdorf und stößt immer wieder auf deren Mann Nikol von Gersdorf, der das höchste Amt der Oberlausitz innehatte und dadurch großen politischen Einfluss in unserer Region ausübte. Er hat es verdient, einmal in seinem Wirken in den Mittelpunkt gestellt zu werden und nicht immer nur als Großvater Nikolaus Ludwig von Zinzendorfs oder Gemahl von Henriette Catharina von Gersdorf geb. Friesen am Rande erwähnt zu werden, wie es in verschiedenen Lexika zu finden ist.
Eine intensive Beschäftigung mit der Gestalt der Henriette Catharina von Gersdorff, deren Wirken hinter den Kulissen am sächsischen Hof nicht ohne Folgen für Sachsen, die Oberlausitz und die Verbreitung des Pietismus blieb, verdeutlichte die Rolle ihres Ehemanns Nicol von Gersdorff, die dieser als Diplomat im Kontext von kursächsischer und Reichspolitik spielte. Das frühneuzeitliche Eheverständnis, aber auch der ebenbürtige Bildungsstand formte bei diesem Paar eine erstaunliche Konsistenz bei der Verfolgung seiner Ziele. Diese waren immer eingebettet in einem transfamiliären Rahmen, der ein Netzwerk von lokalem bis internationalem Ausmaß besaß.
Nicol II. Freiherr von Gersdorff wurde in Doberschütz in der Nähe von Bautzen geboren. Er stammte aus einem verarmten Oberlausitzer Adelshaus, was seine Chancen auf eine Laufbahn bei Hofe eigentlich einschränkte. Dennoch diente er unter fünf Kurfürsten, wurde immer wieder in seinen Ämtern bestätigt und befördert. In seinem letzten Lebensjahrzehnt hatte er das Amt des Landvogts der Oberlausitz inne, das vor ihm der Kurprinz und spätere Kurfürst Johann Georg III. bekleidete. In Hofkreisen nannte man Nicol von Gersdorff ehrfürchtig ein „wandelndes Lexicon der Reichsgeschichte“. Während seiner Dienstzeit reiste er u. a. 1657 mit dem Kürfürsten zur Kaiserwahl Leopolds I. nach Frankfurt und wurde für vielerlei diplomatische Gesandtschaften im Reich, in Wien, Regensburg und an europäischen Höfen verwendet. Bei all seinen „Gesandtschaften machte Gersdorf sich einen Namen als geschickter Diplomat und gravitätischer Cavalier“.(Vgl. Vehse, Eduard: Geschichte der deutschen Höfe seit der Reformation. Bd. 31. 5.Abteilung, 4. Theil, Geschichte der Höfe des Hauses Sachsen. Hamburg 1854, S. 154)
Für die Geschichte Herrnhuts spielte Nicol von Gersdorff ebenfalls eine nicht unbedeutende Rolle. Er war es, der das Gut Berthelsdorf kaufte und somit in Familienbesitz brachte, so dass es letztlich 1722 nach einigen Wirren an seinen Enkelsohn Nikolaus Ludwig von Zinzendorf überschrieben wurde. Gottlob Friedrich von Gersdorff, der Sohn Nicols, der in die Fußstapfen seines Vaters trat und im obersten Beratergremium des Kurfürsten und Königs von Polen als Geheimrat diente, ist in seiner Bedeutung nicht nur als Onkel Zinzendorfs, sondern auch als dessen Schutzherr ebenfalls weitestgehend unbeachtet.
Eine Beschäftigung mit der Person des Nicol von Gersdorff erhellt einige Zusammenhänge der politischen und historischen Entwicklung in der Lausitz und bringt uns einen Mann näher, dessen Faszination weit darüber hinausgeht, nur der Großvater Zinzendorfs zu sein.

Zur Person
Robert Langer M.A. arbeitete im Auftrag der Umweltbibliothek Großhennersdorf e.V. und mit Unterstützung der Robert Bosch Stiftung.
 







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